Jürgen Graf

 

Zur Revision der Opferzahl von Majdanek


Jürgen Graf



In der Nummer XXIII der Zeszyty Majdanka („Hefte von Majdanek“) veröffentlichte der Leiter der Forschungsabteilung der Gedenkstätte Majdanek, Tomasz Kranz, Ende 2005 einen Artikel zum Thema „Registrierung von Todesfällen und Sterblichkeit unter den Häftlingen des KL Lublin“, in dem er die Zahl der im Lager Lublin/Majdanek Umgekommenen auf rund 78.000 bezifferte, was einer einschneidenden Revision gleichkam[1]. Um deren Ausmaß zu erfassen, müssen zunächst einen Blick auf die seitens der polnischen Geschichtsschreibung in der Vergangenheit für das KL Majdanek behaupteten Opferzahlen werfen.


Die Behauptungen der polnisch-sowjetischen Untersuchungskommission (August 1944) sowie des Lubliner Sondergerichts (Dezember 1944)

Am 23. Juli 1944 wurde das KL Lublin (so die offizielle Bezeichnung des Lagers Majdanek) von der Roten Armee befreit. Bald darauf, am 4. August, machte sich eine „Polnisch-Sowjetische Außerordentliche Kommission zur Untersuchung der von den Deutschen im Vernichtungslager Majdanek bei Lublin begangenen Verbrechen“ ans Werk. Am 23. August präsentierte sie ihren Abschlußbericht, in dem es hieß, in Majdanek hätten 1,5 Millionen Menschen den Tod gefunden. Von den anderthalb Millionen Leichen seien 1.380.000 verbrannt worden, und zwar:

  • 80.000 im alten Krematorium (d.h. zwei Mitte 1942 installierten ölbeheizten mobilen Verbrennungsöfen, von denen wir nicht wissen, wie lange sie in Betrieb waren);
  • 600.000 im neuen Krematorium (das im Januar 1944, sechs Monate vor dem Ende des Lagers, in Betrieb genommen worden war und fünf koksbeheizte Öfen besaß);
  • 300.000 im unweit von Majdanek gelegenen Wald von Krepiecki;
  • 400.000 auf Scheiterhaufen in der Nähe des neuen Krematoriums.[2]

Wo die restlichen 120.000 Leichname verblieben waren, teilte die Kommission nicht mit; vermutlich ging sie davon aus, daß sie begraben worden waren.

Der Bericht der Polnisch-Sowjetischen Kommission wurde 1946 beim Nürnberger Prozeß als Dokument der Anklage vorgelegt[3]. Wie es um seinen Wahrheitsgehalt bestellt war, ging u.a. aus folgenden zwei Punkten hervor:

1) Die tägliche Einäscherungskapazität jedes der fünf Öfen im neuen Krematorium betrug maximal 100 Leichen. Geht man davon aus, daß dieses Krematorium in den sechs Monaten seiner Existenz ständig in Betrieb war und die Öfen stets reibungslos funktionierten (beide Hypothesen sind unrealistisch), so konnte darin eine Höchstzahl von ca. (180 x 5 x 20 =) 18.000 Leichen in Asche verwandelt werden. Die von der Kommission für dieses Krematorium angegebene Zahl von 600.000 Einäscherungen lag also um das rund Dreiunddreißigfache höher als die theoretisch mögliche Maximalkapazität!

2) Die Kommission führte auf dem Lagergelände sowie im Wald von Krepiecki Grabungen durch, bei denen sie 467 vollständige Leichen sowie 266 Schädel entdeckte; ferner fand sie 4,5 m3 Verbrennungsasche und Knochen vor, was einer Höchstzahl von 3.000 im Freien verbrannten Leichen entsprach. Aus (467 + 266 =) 733 begrabenen Leichnamen schloß die Kommission also auf eine Gesamtzahl von 120.000 und aus höchstens 3.000 unter freiem Himmel verbrannten Leichen auf insgesamt 700.000!

Vier Monate später, im Dezember 1944, nannte ein in Lublin einberufenes  „Sondergericht“, das sechs ehemalige Angehörige der Wachmannschaft von Majdanek zum Tode verurteilte, eine noch höhere Opferzahl als die Kommission. In der Urteilsbegründung hieß es:

„Es wurde bewiesen, daß 1.700.000 Menschen in Majdanek ermordet worden sind und daß Majdanek ein Vernichtungslager im wahrsten Sinne des Wortes war.“[4]


Die erste Revision: Zdzisław Łukaszkiewicz (1948)

Die von der Polnisch-Sowjetischen Kommission im August 1944 sowie vom Lubliner Sondergericht im Dezember 1944 genannten Opferzahlen waren dermaßen unglaubwürdig, daß die polnischen Kommunisten schon drei Jahre nach Kriegsende eine Studie in Auftrag gaben, in der die Zahl der im Lager Umgekommenen immerhin „berechnet“ und nicht bloß aus der Luft gegriffen wurde. In einem Artikel mit dem Titel „Das Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek“ bezifferte der Richter Zdzisław Łukaszkiewicz die Opferzahl auf 360.000[5]; auf diese Ziffer gelangte er, indem er die Aussage der wenigen von ihm benutzten Dokumente grob verzerrte und sich ansonsten mit Augenzeugenberichten zufrieden gab. Von den angeblich 360.000 Opfern hatten laut Łukaszkiewicz 60% „den Lagertod erlitten“ (womit er Tod infolge von Krankheit, Erschöpfung oder Unterernährung meinte), während 25% vergast und 15% auf andere Weise ermordet worden seien.


Józef Marszałek bestätigt die Zahl von 360.000 Opfern (1981)

1981 schrieb Józef Marszałek, langjähriger Leiter der Gedenkstätte Majdanek, ein Buch über die Geschichte des Lagers, das fünf Jahre später auch in englischer Übersetzung erschien.[6] Marszałek machte sich die als unantastbar geltende Zahl von 360.000 Opfern zu eigen, nahm aber zur Untermauerung der These vom „Vernichtungslager“ eine Umverteilung der eines „natürlichen“ Todes Gestorbenen und der „Ausgerotteten“ vor, indem er die Zahl ersterer mit 160.000 und die Zahl letzterer mit 200.000 angab. Mit welch plump betrügerischen Methoden der polnische Historiker arbeitete, sei anhand eines Beispiels veranschaulicht: Er zitierte einen vom 30. September 1943 stammenden Bericht von Oswald Pohl, dem Leiter des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes, an Heinrich Himmler[7], dem zu entnehmen ist, daß Majdanek von allen Konzentrationslagern die im Vergleich zur Häftlingszahl höchste Sterblichkeit aufwies, unterließ es jedoch, die in demselben Bericht genannte Gesamtzahl von 53.309 von Januar bis Juni 1943 in allen Konzentrationslagern (es gab deren 17) umgekommenen Häftlingen zu erwähnen, denn laut Marszałeks eigenen „Berechnungen“ hatten während dieser sechs Monate in Majdanek allein 54.000 Häftlinge den Tod gefunden! Zu solch grobschlächtigen Tricks muß ein Historiker, dem seine Forschungsergebnisse von dem herrschenden System aus ideologischen Gründen vorgeschrieben werden, notgedrungen greifen.


Die Revision Czesław Rajcas: 235.000 Opfer (1992)

Erst nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft in Polen wagten es die dortigen Historiker, die seit 1948 offiziell verbindliche Ziffer von 360.000 Majdanek-Opfern in Frage zu stellen. 1992 veröffentlichte Czesław Rajca, Mitarbeiter der Gedenkstätte Majdanek, einen Artikel, in dem er die Zahl der im Lager Umgekommenen auf 235.000 bezifferte; er schrieb:

„Angesichts des Mangels an dokumentarischem Material, das direkt mit dem Ausmaß der in Majdanek verübten Verbrechen in Verbindung steht, besteht der einzige rationale Weg zur Berechnung der Opferzahl darin, die in andere Lager Überstellten, die Freigelassenen sowie die Geflüchteten von der Gesamtzahl der ins Lager geschickten Häftlinge abzuziehen.“[8]

Diese Methode wäre in der Tat unanfechtbar, wenn wir für die verschiedenen Kategorien über gesicherte Ausgangszahlen verfügten. Wie sieht es in dieser Hinsicht nun aus?

Laut der polnischen Geschichtsschreibung wurden 45.000 Majdanek-Häftlinge in andere Lager überstellt, 20.000 wurden entlassen, einige hundert konnten flüchten, und 1500 wurden am 23. Juli 1944 von der Roten Armee befreit. Die anhand der Lagerurkunden nachweisbare Zahl der Überstellten beträgt zwar nur wenig über 35.000[9], doch da die Dokumentation nicht vollständig ist, kann die wirkliche Ziffer durchaus um 10.000 höher gelegen haben. Die – erstaunlich hohe – Zahl von 20.000 auf freien Fuß gesetzten Häftlingen wird in der polnischen Fachliteratur nirgends dokumentarisch belegt, doch akzeptieren wir sie ebenfalls, da hier erst recht kein Grund zur bewußten Übertreibung ersichtlich ist – ganz im Gegenteil untergräbt diese Ziffer die These vom „Vernichtungslager“ aufs nachhaltigste, weil die Freigelassenen die Kunde von den Massenmorden im Nu über ganz Polen verbreitet und so die angeblich von den Deutschen getroffenen Maßnahmen zur Vertuschung ihrer Untaten sinnlos gemacht hätten.

Bar jeder historischen Grundlage ist hingegen die von Rajca postulierte Ziffer von 300.000 in Majdanek eingelieferten Häftlingen, von der er die 45.000 Überstellten und die 20.000 Freigelassenen abzieht und somit auf 235.000 Opfer kommt (die insgesamt rund 2000 Geflüchteten und von der Roten Armee Befreiten berücksichtigt er nicht). Rajcas Quelle ist ein aus dem Jahre 1969 stammender Artikel von Zofia Leszczyńska über die Häftlingstransporte ins Lager Majdanek[10]. Um auf eine möglichst hohe Zahl ins Lager Eingelieferter zu kommen, griff die Verfasserin zu dem bei sämtlichen orthodoxen „Holocaust“-Historikern beliebten Trick, Zeugenaussagen denselben Beweiswert beizumessen wie Dokumenten. Gestützt auf Berichte der Widerstandsbewegung, die natürlich alles Interesse daran hatte, den Umfang der Deportationen nach Majdanek als Beweis für die deutsche Schreckensherrschaft aufzubauschen, übertrieb Z. Leszczyńska die Zahl der Eingelieferten maßlos, kam aber trotz allen Bemühungen nur auf 246.00. Da sie die damals sakrosankte Opferzahl von 360.000 nicht antasten durfte und, wenn in Majdanek 360.000 Menschen gestorben, 45.000 in andere Lager überstellt worden, 20.000 freigelassen und 1.500 von den Sowjets befreit worden waren, die Zahl der insgesamt Eingelieferten 426.500 betragen haben mußte, zauberte die polnische Geschichtsforscherin die fehlenden 179.600 mit der Behauptung herbei, ihre Statistiken seien unvollständig, da viele Transporte nicht dokumentiert seien! 23 Jahre später fügte C. Rajca zu den von Z. Leszczyńska „errechneten“ 246.000 Eingelieferten willkürlich noch 54.000 hinzu und kam somit auf 300.000, von der er die Überstellten und die Freigelassenen abzog, um seine Opferzahl von 235.000 zu begründen.


Die Zahl des Revisionisten Carlo Mattogno: 42.200 Opfer (1998)

Im Sommer 1997 unternahmen der italienische Forscher Carlo Mattogno und ich eine Forschungsreise durch Osteuropa, die in Lublin begann. Gestützt auf im Archiv der Gedenkstätte Majdanek sowie im Archiv der Lubliner Wojwodenschaft vorgefundene Dokumente, die offizielle polnische Literatur über Majdanek sowie andere Quellen verfassten wir nach unserer Rückkehr ein Buch mit dem Titel KL Majdanek. Eine historische und technische Studie, das 1998 in deutscher und fünf Jahre darauf in englischer Sprache erschien und den ehrgeizigen Anspruch erhob, das erste wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Werk über das Lubliner Lager überhaupt zu sein[11]. Im vierten Kapitel errechnete Mattogno die Opferzahl, wobei er in Anbetracht der unvollständigen Dokumentation freilich keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit erheben durfte. Hier seine Ergebnisse für die einzelnen Jahre:

1941 (Okt. bis Dez.): ca. 700
1942: 17.244
1943: 22.339
1944 (Januar bis Juli): ca. 1.900

Insgesamt: ca. 42.200

Mattogno unternahm keinen Versuch, den Prozentsatz der jüdischen Häftlingen unter den gemäß seinen Berechnungen 42.200 Opfern zu ermitteln, doch läßt sich hierzu folgendes sagen:

Majdanek wurde im Oktober 1941 eröffnet. In den ersten drei Monaten seiner Existenz wurden vor allem sowjetische Kriegsgefangene eingeliefert, ferner eine Gruppe Juden aus der Stadt Lublin. Wie viele Juden sich unter den laut Mattogno ca. 700 im Jahre 1941 verstorbenen Häftlingen befanden, ist unbekannt, doch jedenfalls kann es sich nur um eine geringe Anzahl gehandelt haben, die – wie wir gleich sehen werden – in der Statistik für das Jahr 1942 miterfaßt ist. 

1942 bestand die überwältigende Anzahl der Neuankömmlinge aus Juden verschiedener Nationalitäten. Hier konnte sich Mattogno auf ein Schlüsseldokument stützen, den aus dem Jahre 1943 stammenden Bericht des SS-Statistikers Richard Korherr, in dem die Zahl der bis Ende 1942 in die verschiedenen Konzentrationslager eingelieferten Juden sowie die Anzahl der dort Umgekommenen unter ihnen aufgelistet wird. Laut Korherr waren bis zu jenem Zeitpunkt insgesamt 26.258 jüdische Häftlinge, davon 23.409 Männer und 2.849 Frauen, ins Lubliner Lager deportiert worden, von denen dann 4.568 entlassen worden waren, 7.342 sich Ende Dezember noch im Lager aufhielten und die restlichen 14.348 (14.217 Männer und 131 Frauen) gestorben waren. (Der Hauptgrund für die extrem hohe Sterblichkeit in Majdanek bestand in den verheerenden hygienischen Bedingungen, welche die Ausbreitung von Seuchen förderten; weshalb die Sterblichkeit unter den Frauen um das Mehrfache geringer war als unter den Männern, weiß ich nicht.) Für Auschwitz registrierte Korherr bis Ende 1942 3.716 Todesfälle unter den männlichen jüdischen Häftlingen sowie 720 Todesfälle unter den Jüdinnen; er schloß seine Statistik mit folgendem Hinweis ab:

„Nicht enthalten sind die im Zuge der Evakuierungsaktionen in den Konzentrationslagern Auschwitz und Lublin untergebrachten Juden.“[12]

Da Mattogno keinerlei Hinweise auf die Zahl der „im Zuge der Evakuierungsaktionen in Lublin untergebrachten Juden“ sowie die Sterblichkeit unter ihnen zur Verfügung standen, konnte er sie in seiner Statistik naturgemäß nicht berücksichtigen.

1943 nahm der Anteil der nichtjüdischen Häftlinge infolge der Einlieferung zahlreicher Polen, die man des Widerstandes gegen die Besatzungsmacht verdächtigte, stark zu, doch belegen die – leider nur fragmentarisch erhaltenen – Stärkemeldungen, daß die Juden bis Ende Oktober weiterhin eine klare Mehrheit der Lagerinsassen bildeten; so waren am 16. Juni 10.050 von insgesamt 14.533 und am 22. August 5.905 von insgesamt 10.506 männlichen Gefangenen Juden; im Frauenlager stellten Jüdinnen am 16. Juni 5.371 von 7.821 und am 20. August 3.200 von 5690 Insassinnen[13]. Anfang November verschwanden sämtliche Juden aus dem Lager (laut den orthodoxen Historikern, weil sie erschossen wurden, laut den Revisionisten, weil sie überstellt wurden), aber bereits im Dezember erschienen neu eingelieferte jüdische Häftlinge in den Stärkemeldungen. Allerdings war ihre Anzahl an der Gesamtstärke fortan gering; so waren im Männerlager am 15. März 1944 nur 358 von 6.476 und im Frauenlager am selben Tag nur 476 von 2.690 Häftlingen jüdischer Herkunft.

In Anbetracht dieser Statistiken erscheint die Hypothese plausibel, daß, wenn wir uns auf die von Mattogno errechneten Opferzahlen stützen, 1943 ungefähr 60% der 22.339 Toten Juden und 1944 ungefähr 90% der 1.900 Toten Nichtjuden waren. Dies würde bedeuten, daß 1943 etwa 13.404 Juden und 1944 etwa 190 Juden in Majdanek starben und die Gesamtzahl der jüdischen Opfer des Lagers ca. (14.348 [die 1941 gestorbenen Juden sind laut Korherr in dieser Ziffer inbegriffen] + 13.400 + 190 =) 27.938 betrug. Die Zahl der nichtjüdischen Toten beliefe sich dementsprechend auf rund (42.200 – 27.938 =) 14.262 oder ein gutes Drittel der Gesamtopferzahl.


Die Revision von Tomasz Kranz: 78.000 Opfer (2005)

In seinem eingangs erwähnten Artikel übt Tomasz Kranz unverhohlene Kritik an seinen  Vorgängern: Die von der Polnisch-Sowjetischen Kommission behauptete Opferzahl von 1,5 Millionen beruhte „auf politischen und propagandistischen und nicht auf historischen Erwägungen“;  für das Lubliner Sondergericht, das 1.7 Millionen Opfer geltend machte, „hatte Genauigkeit bei den Berechnungen ebenfalls keine Bedeutung“; J. Łukaszkiewicz „ging für den Zeitraum vom Juli 1943 bis zum April 1944 willkürlich von einer täglichen Sterbequote von 12 Promill aus“, und die von ihm genannte Zahl von 360.000 Toten „wurde viele Jahre lang kritiklos verbreitet“; C. Rajcas Artikel aus dem Jahre 1992 „weckt Vorbehalte“, da er bei seinen Kalkulationen „die Lagerdokumente gänzlich übergangen hat“ (S. 35/36). Das von Mattogno und mir verfaßte Buch KL Majdanek resümiert Kranz korrekt wie folgt:

„Im Zusammenhang mit den zahlenmäßigen Ermittlungen bezüglich des Lagers Majdanek gilt es auch ein Buch der revisionistischen Strömung zu erwähnen, in dem u. a. die Fragen der Deportation und der Sterblichkeit ausführlich erörtert werden. Seine Verfasser bestreiten die Vergasungen und die Massenerschießungen von Häftlingen, räumen jedoch ein, daß die Sterblichkeit infolge der [schlechten] Lebensbedingungen und der Typhusepidemien hoch war. Gestützt auf eine Analyse der erhaltenen Totenbücher gelangten sie zum Schluß, in Majdanek seien insgesamt 42.200 Häftlinge gestorben.“ (S. 40)

Laut Kranz kamen in Majdanek ungefähr 78.000 Menschen (ca. 59.000 Juden sowie ca. 19.000 Nichtjuden) ums Leben. Die neue offizielle Opferzahl der Gedenkstätte Majdanek liegt somit noch um 35.800 über der revisionistischen, aber um 1,622 Millionen unter derjenigen des Lubliner Sondergerichts, um 1,422 Millionen unter derjenigen der Polnisch-Sowjetischen Kommission, um 282.000 unter derjenigen Łukaszkiewiczs und Marszałeks und um 157.000 unter derjenigen Rajcas! Vernichtender ließe sich der Totalbankrott der offiziellen Darstellung des Lubliner Lagers in der polnischen Geschichtsschreibung schwerlich veranschaulichen.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß im Urteil des Düsseldorfer Majdanek-Prozesses (1975-1981) eine Gesamtopferzahl von „mindestens 200.000“, davon „mindestens 60.000 Juden“, geltend gemacht wurde[14]; das Gericht hatte freilich keine eigenen Recherchen angestellt, sondern sich ausschließlich auf die Angaben des sattsam bekannten „zeitgeschichtlichen Experten“ Wolfgang Scheffler verlassen. Während die von den Düsseldorfer Richtern genannte Zahl der jüdischen Opfer fast genau derjenigen von Kranz entsprach, lag die von ihnen behauptete Anzahl der nichtjüdischen Toten um  121.000 über der von Kranz errechneten!

Kranz untersucht die Sterblichkeit unter den nichtjüdischen und unter den jüdischen Häftlingen getrennt. Hier seine Ergebnisse für die einzelnen Jahre:

Nichtjüdische Opfer

1941: Keine Angaben
1942: 2.001
1943/1944: 16.835

Insgesamt: 18.836 oder aufgerundet 19.000


Jüdische Opfer

1941/1942: 24.733
1943/1944 34.267[15]

Insgesamt: 59.000

Wenden wir uns nun der Frage zu, wie der polnische Historiker diese Ziffern begründet.


Die Zahl der nichtjüdischen Opfer laut Tomasz Kranz

Für 1942 errechnet Kranz anhand der Dokumente der Lagerverwaltung eine Gesamtzahl von 16.218 jüdischen und nichtjüdischen Toten (S. 42), also 1.028 weniger als Mattogno. Von diesen 16.218 zieht er die im Korherr-Bericht genannte Ziffer von 14.217 bis Ende 1942 im KL Lublin umgekommenen Juden ab und gelangt somit zum Schluß, daß die Anzahl der nichtjüdischen Toten im Jahre 1942 2.001 betrug. Da im Korherr-Bericht jedoch von 14.217 männlichen jüdischen Opfern die Rede ist und außer diesen noch 131 verstorbene Jüdinnen erwähnt werden, setzt Kranz die jüdische Gesamtopferzahl für 1942 um 131 zu niedrig und die nichtjüdische Opferzahl für dasselbe Jahr um 131 zu hoch an.

Auf S. 42–45 untersucht Kranz mit der Sterblichkeit unter den nichtjüdischen Häftlingen in den Jahre 1943 und 1944. Ihm zufolge verstarben vom 1. Januar 1943 bis zum 6. April 1944 9.811 Nichtjuden. Zusammen mit den 2.001 (richtig wäre: 1870) Todesfällen im Jahre 1942 ergibt dies eine Zahl von 10.912 Toten. Zu diesen kommen nach Kranz noch folgende nichtjüdische Opfergruppen:

  • Ca. 2.000 von 1941 bis 1944 umgekommene sowjetische Kriegsgefangene, denen keine Häftlingsnummern zugeteilt wurden;
  • 1.055 von 1942 bis 1944 verstorbene sowjetische Kriegsinvaliden;
  • Ca. 500 nichtregistrierte, Anfang 1942 gestorbene Polen;
  • Ca. 500 vom 7. April bis zum 23. Juli 1944 Verstorbene;
  • 369 getrennt registrierten Ausgesiedelte aus dem Gebiet von Zamość, von denen je ca. die Hälfte in Majdanek und nach der Befreiung des Lagers in verschiedenen Krankenhäusern gestorben seien.

Addiert man diese Ziffern, gelangt man auf 15.336 nichtjüdische Tote des Lagers Majdanek, zu denen Kranz noch zwei Opferkategorien hinzuzählt: Schätzungsweise 500 während der Evakuierung des Lagers umgekommene Häftlinge (unter denen sich vielleicht 10% Juden befunden haben müssen, was Kranz jedoch nicht berücksichtigt), sowie die im Gefängnis des Lubliner Schlosses füsilierten Polen. Seinen Darstellungen zufolge scheinen hier keine dokumentarisch gesicherten Ziffern vorzuliegen; er zitiert verschiedene Schätzungen, die von 2.762 bis 12.000 reichen, aber anscheinend durchwegs auf Zeugenaussagen fußen, und entscheidet sich für eine „Maximalzahl von 3.000“. Abgesehen davon, daß diese Zahl nicht dokumentiert ist, geht aus seinen Ausführungen hervor, daß nur ein Teil der Erschossenen zuvor in Majdanek interniert gewesen waren, so daß man die restlichen zwar als „Opfer der deutschen Besetzung“, nicht aber als „Majdanek-Opfer“ einstufen kann. Hinrichtungen von Juden erwähnt Kranz übrigens nirgends, obwohl es solche mit absoluter Sicherheit ebenfalls gegeben haben muß. – Die Gesamtbilanz der nichtjüdischen Opfer beläuft sich nach Kranz hiermit auf 18.836 oder aufgerundet 19.000.


Die Zahl der jüdischen Opfer laut Tomasz Kranz

Unter Hinweis auf einen im Jahre 2003 von ihm verfaßten Artikel zum Thema „Die Ausrottung der Juden in Majdanek und die Rolle des Lagers bei der Durchführung der ‚Aktion Reinhardt’“[16] beziffert Kranz die Gesamtzahl der in Majdanek umgekommenen Juden auf 59.000. Von diesen 59.000 fanden ihm zufolge 24.733 im Jahre 1942 den Tod; diese Ziffer begründet er mit einem Dokument, das erst 2001 veröffentlicht wurde und Mattogno sowie mir noch unbekannt war, als wir unser Buch schrieben. Es handelt sich um einen Funkspruch des SS-Sturmbannführers Höfle an den SS-Obersturmbannführer Heim vom 28. April 1943, dem zu entnehmen ist, daß bis zum 31. Dezember 1942 insgesamt 1.274'166 Juden in die Lager Lublin, Belzec, Sobibor und Treblinka deportiert worden waren, davon 24.733 nach Lublin. Die Ziffer von 1.274.166 entspricht genau derjenigen der Juden, welche laut dem Korherr-Bericht bis Ende 1942 „durch die Lager im Generalgouvernement“ geschleust worden waren, und Lublin, Belzec, Sobibor sowie Treblinka lagen in der Tat im Generalgouvernement. Der Höfle-Funkspruch wurde von den Briten schon nach wenigen Tagen entziffert, jedoch aus mir unbekannten Gründen erst 2001 publiziert.[17] 

Kranz gibt den Inhalt des Funkspruchs verzerrt wieder; er schreibt nämlich:

„Aus einem Funkspruch H. Höfles, des Stabschefs Odilo Globocniks, geht hervor, daß im Lager Majdanek im Zuge der ‚Aktion Reinhardt’ 24.733 Juden umkamen, was in Verbindung mit den im Korherr-Bericht enthaltenen Angaben den Schluß erlaubt, daß diese Ziffer sowohl die registrierten als auch die nicht in den Lagerbestand aufgenommenen Häftlinge umfaßt.“ (S. 33)

In Wirklichkeit ist in diesem Funkspruch lediglich von einem „Zugang“ der Juden in die erwähnten vier Lager die Rede und nicht davon, daß sie dort umgekommen seien. Auch wenn Kranz dies nicht ausdrücklich sagt, läuft seine Argumentation eindeutig darauf hinaus, daß die „nicht in den Lagerbestand aufgenommenen“ Juden ermordet worden sind.

Versuchen wir zunächst folgende Frage zu klären: Handelte es sich bei den 26.258 laut Korherr bis Ende 1942 nach Majdanek gelangten Juden und bei den 24.733 laut Höfle bis zum selben Zeitpunkt ins Lubliner Lager deportierten Juden um ein und dieselben Häftlinge, und ging die Differenz von 1.525 lediglich auf – in Anbetracht der damaligen Umstände erklärliche – Ungenauigkeiten bei der Zählung zurück? Eben dies macht Kranz, für den Höfles Ziffer „sowohl die registrierten [d.h. laut dem Korherr-Bericht bis Ende 1942 gestorbenen] als auch die nicht in den Lagerbestand aufgenommenen Häftlinge“ umfaßt, nämlich geltend.

Sowohl vom Standpunkt der orthodoxen „Holocaust“-Historiker als auch vom Standpunkt der Revisionisten aus muß die Antwort nein lauten. Lublin wird von Höfle zusammen mit Belzec, Sobibor und Treblinka genannt, was darauf hindeutet, daß alle in diese vier Lager deportierten Juden ein und derselben Kategorie angehörten und es keinen Grund geben konnte, sie in Lublin anders zu behandeln als in Belzec, Sobibor und Treblinka. Gemäß der offiziellen Geschichtsschreibung wurden in letztgenannten drei Lagern sämtliche Juden ohne Rücksicht auf Alter, Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit sogleich nach ihrem Eintreffen unregistriert in Gaskammern ermordet; verschont blieb bloß eine kleine Zahl von „Arbeitsjuden“, die zur Aufrechterhaltung des Lagerbetriebs gebraucht wurden. Dementsprechend müssen nach der Logik der orthodoxen „Holocaust“-Historiker auch die 24.733 laut Höfle nach Lublin deportierten Juden dort unregistriert vergast worden sein; der Grund dafür, daß man sie nach Lublin und nicht in eines der drei anderen Lager schickte, könnte dann beispielsweise darin bestanden hatten, daß die Gaskammern in letzteren überlastet waren. In diesem Fall hätte Majdanek gewissermaßen die Rolle eines „temporären Hilfsvernichtungslagers“ für Belzec, Sobibor und Treblinka gespielt, so wie das KL Stutthof gemäß der polnischen Geschichtsschreibung im Sommer 1944 zum „temporären Hilfsvernichtungslager“ für Auschwitz geworden sein soll[18].

Für die Revisionisten waren Belzec, Sobibor und Treblinka Durchgangslager, aus denen die Mehrheit der deportierten Juden in die besetzten Ostgebiete abgeschoben wurde, während eine Minderheit in Arbeitslager im Generalgouvernement kam[19]. Daß „Lublin“ (d.h. Majdanek) im Höfle-Funkspruch in einem Atemzug mit diesen drei Lagern genannt wird, muß nach der revisionistischen Sicht der Dinge seinen Grund also darin haben, daß es parallel zu seinen anderen Aufgaben zeitweise die Funktion eines Durchgangslagers erfüllte, so wie dies auch bei Auschwitz der Fall war. Bei den gemäß Korherr Ausführungen nicht in seiner Statistik erfaßten, „im Zug der Evakuierungsaktion in Lublin untergebrachten“ Juden muß es sich dementsprechend um jüdische Häftlinge gehandelt haben, die für kurze Zeit unregistriert in Majdanek blieben und von dort aus in die Ostgebiete oder in die zahlreichen Arbeitslager des Lubliner Distrikts weitergeleitet wurden. In diesem Falle liegt die Vermutung nahe, daß es in Majdanek – wie in Auschwitz – einen speziellen Lagersektor zur zeitweiligen Unterbringung dieser Häftlinge gab. Hier besteht noch viel Forschungsbedarf.

Sowohl nach der orthodoxen als auch nach der revisionistischen Version der Geschehnisse drängt sich folglich der Schluß auf, daß es sich bei den 24.733 im Höfle-Funkspruch genannten Juden und bei den im Korherr-Bericht erwähnten 26.258 Juden um verschiedene Häftlingsgruppen handelte und daß erstere mit den laut Korherr „im Zuge der Evakuierungsaktionen im KL untergebrachten“, in seiner Statistik „nicht enthaltenen“ Juden identisch sind.

Wenn Kranz davon ausgeht, daß die 14.348 nach Korherr bis Ende 1942 in Majdanek gestorbenen Juden, deren Ableben registriert wurde, zu den 24.733 laut Höfle in jenem Jahr ins Lubliner Lager Deportierten gehörten und letztere allesamt den Tod fanden, muß sich die Anzahl der unregistrierten Toten – d. h. der nach Ansicht von Kranz Ermordeten – auf (24.733 – 14.348 =) 10.385 belaufen haben. Somit behauptet Kranz folgendes:

1942 gelangten insgesamt 36.643 Juden nach Majdanek; von diesen wurden  10.385 unregistriert ermordet, 14.348 starben eines „natürlichen“ Todes, 4.568 wurden entlassen, und 7.342 saßen Ende Jahr noch im Lager ein. Über diese Geschehnisse sind wir dank zwei deutschen Dokumenten, dem Höfle-Funkspruch und dem Korherr-Bericht, unterrichtet, wobei im Höfle-Bericht nur die beiden ersten Kategorien, nicht aber die dritte und die vierte, berücksichtigt werden, während der Korherr-Bericht die zweite, dritte und vierte, nicht jedoch die erste berücksichtigt.

Dies alles wirkt heillos unlogisch und verquast! 

Da für Majdanek im Jahre 1942 nie eine andere Methode der Massentötung als Vergasen behauptet worden ist, müssen die laut Kranz 10.385 unregistriert ermordeten Juden vergast worden sein. Im sechsten und siebten Kapitel von KL Majdanek haben Mattogno und ich eine Fülle technischer und historischer Argumente gegen die Existenz von Menschentötungsgaskammern in Majdanek angeführt, und ich halte es nicht für erforderlich, das dort Gesagte zu wiederholen. Daß Kranz, der unser Buch zitiert, richtig zusammenfaßt und somit gelesen haben muß, mit keinem Wort auf unsere Argumente eingeht, läßt nur den Schluß zu, daß sie unwiderleglich sind. Wir dürfen die von ihm zwar nicht explizit, aber doch implizit behaupteten 10.385 Vergasten also getrost als non-existing persons (George Orwell) betrachten.

Für 1943/1944 erwähnt Kranz die 18.000 angeblich am 3. November 1943 im Rahmen der sogenannten „Aktion Erntefest“ erschossenen Juden, stellt aber keine Berechnungen über die Anzahl der während dieser Zeitspanne eines „natürlichen“ Todes gestorbenen jüdischen Häftlinge an, vermutlich weil er dies bereits in seinem zuvor erwähnten, anno 2003 erschienenen Artikel getan hat. Ziehen wir die von Kranz behaupteten 24.733 jüdischen Opfer der Jahre 1941/1942 sowie die angeblichen 18.000 Ermordeten vom 3. November 1943 von seiner Gesamtziffer von 59.000 jüdischen Opfern ab, kommen wir für die Zeit von Januar 1943 bis Juli 1944 auf eine Zahl von 16.267.

Bezüglich der „Aktion Erntefest“ läßt sich mit Sicherheit sagen, daß diese Massenerschießung ins Reich der Fabel zu verweisen ist. Den Beweis dafür hat Mattogno im neunten Kapitel von KL Majdanek geliefert, und ich erachte es auch in diesem Fall nicht für nötig, das dort Dargelegte zu resümieren, zumal Kranz wie im Fall der Gaskammern nicht auf Mattognos Argumentation eingeht. Auch diese 18.000 Erschossenen sind non-existing persons.


Vergleich der Statistiken von Carlo Mattogno und Tomasz Kranz

Rekapitulieren wir: Laut Tomasz Kranz starben in Majdanek ca. 78.000 Häftlinge, davon 59.000 Juden und 19.000 Nichtjuden; laut Carlo Mattogno forderte Majdanek ca. 42.200 Opfer. Abgesehen von den Jahren 1941/1942, für welche die Zahl der jüdischen Toten dank dem Korherr-Bericht genau bekannt ist, verzichtet Mattogno auf den Versuch, den Anteil der jüdischen und der nichtjüdischen Opfer an seiner Gesamtzahl zu errechnen, doch läßt sich anhand der Lagerstärke für die einzelnen Perioden extrapolieren, daß, wenn seine Statistik stimmt, ca. 27.938 Juden sowie ca. 14.262 Nichtjuden in Majdanek umgekommen sein müssen.

Die Differenz zwischen den beiden Statistiken beläuft sich also auf 35.800, wobei Kranz 31.062 jüdische und 4.738 nichtjüdische Opfer mehr zählt als Mattogno.

Bezüglich der nichtjüdischen Toten erklärt sich die Differenz in erster Linie dadurch, daß Mattogno zwei der von Kranz erwähnten Opfergruppen nicht berücksichtigt hat, weil ihm dazu keine dokumentarischen Unterlagen zur Verfügung standen: Die – laut Kranz – 500 während der Evakuierung ums Leben gekommenen sowie die – laut Kranz – 3000 auf dem Lubliner Schloß Füsilierten. Während die Zahl der Evakuierungsopfer durchaus plausibel anmutet, dürfte diejenige der Füsilierten zu hoch gegriffen sein, erstens weil sie auf Augenzeugenberichten fußt und solche a priori der Übertreibung verdächtig sind, und zweitens, weil lediglich ein Teil dieser Hingerichteten zuvor in Majdanek interniert gewesen war und man die anderen nicht zur Kategorie der „Majdanek-Opfer“ zählen kann. Unter diesen Umständen liegt der Schluß nahe, daß die Zahl der nichtjüdischen Toten höher als Mattognos 14.262, aber niedriger als Kranz’ 19.000 war.

Zu den jüdischen Opfern: Bei Kranz sind hier die erfundenen 10.385 Vergasten des Jahres 1942 sowie die erfundenen 18.000 Erschossenen vom 3. November 1943 von seiner Gesamtziffer von 59.000 abzuziehen, so daß noch 30.625 übrigbleiben, nur 2.687 mehr als bei Mattogno, wobei diese Differenz vollumfänglich auf die Jahre 1943/1944 entfällt. Welche der beiden Zahlen der Wirklichkeit näher kommt, kann ich anhand des mir zur Verfügung stehenden Materials nicht beurteilen, aber eins ist sicher: Zur Erklärung der vorliegenden Differenz braucht man ganz gewiß keine Vergasungen zu postulieren! Gemäß der offiziellen Geschichtsschreibung waren die angeblichen Menschentötungsgaskammern von Majdanek von August 1942 bis Oktober 1943 in Betrieb. Wenn man die Tatsache, daß Kranz für 1943/1944 2.687 jüdische Opfer mehr zählt als Mattogno, damit erklärt, daß diese Juden vergast worden seien, bedeutet dies, daß von Januar bis Oktober 1943 in Majdanek pro Monat im Durchschnitt etwas über 250 Juden in den Gaskammern starben – eine für ein „Vernichtungslager“ fürwahr geringe Zahl. Da Kranz, wie wir gesehen haben, für 1942 implizit 10.325 vergaste Juden behauptet, kann die Gesamtzahl der Opfer der Gaskammern von Majdanek ihm zufolge nicht höher als ca. 13.000 gewesen sein.

Laut der offiziellen Geschichtsschreibung wurden in Treblinka in den ersten Monaten seines Bestehens im Schnitt mehr als 7.000 Juden täglich vergast, und in Belzec sollen während der neuneinhalb Monate seiner Existenz 600.000 Juden in den Gaskammern ermordet worden sein, also über 2.000 pro Tag. Folglich hätten die angeblichen 13.000 Gaskammeropfer von Majdanek in Treblinka innerhalb von knapp zwei Tagen und in Belzec innerhalb einer knappen Woche vergast werden können; unter diesen Umständen ist nicht der geringste Grund für die Einrichtung von Menschentötungsgaskammern in Majdanek zu erkennen, und die These vom „temporären Hilfsvernichtungslager“ kracht in sich zusammen. Wie so oft, führt sich die Argumentationsstruktur der offiziellen „Holocaust“-Historiker auch hier selbst ad absurdum.


Fazit

Im Schlußwort zu dem von Carlo Mattogno und mir verfaßten Buch KL Majdanek. Eine historische und technische Studie schrieb ich 1998:

„Die zu Beginn der neunziger Jahre in Polen erfolgte Reduktion der Opferzahl von Majdanek wurde damit begründet, daß die wissenschaftsfremden Erwägungen, die in der Vergangenheit eine Übertreibung der wirklichen Zahl erfordert hätten, hinfällig seien. Wenn dem so ist, dürfen wir von den polnischen Historikern, die sich im Gegensatz zu den westlichen immerhin um die Erforschung der Geschehnisse in Majdanek bemüht haben, erwarten, daß sie den Ballast der stalinistischen Geschichtsschreibung vollständig und nicht nur in kleinen Portionen über Bord werfen [...] Eine wirkliche und dauerhafte Versöhnung zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk, welche sich die – beiden Völkern freundschaftlich verbundenen – Verfasser dieses Buchs wünschen, kann nur auf der Grundlage der ungeteilten Wahrheit gedeihen!“

Die „ungeteilte Wahrheit“ hat Tomasz Kranz mit seinem Artikel nicht offenbart, ja nicht einmal angestrebt, aber wir anerkennen gerne, daß er enorm viel Ballast über Bord geworfen hat, denn immerhin hat er die von 1992 bis 2005 geltende Opferzahl seines Vorgängers C. Rajca von 235.000 auf 78.000, also auf ein rundes Drittel, reduziert.

Werfen wir nun einen Blick auf das 1981 ergangene Urteil beim Düsseldorfer Majdanek-Prozeß. In letzterem wurde folgendes behauptet:

  • In Majdanek kamen mindestens 200.000 Menschen um.
  • Unter den Opfern befanden sich mindestens 60.000 Juden.
  • Ein Teil dieser jüdischen Opfer wurde vergast.
  • Am 3. November 1943 wurden im Rahmen der „Aktion Erntefest“ 18.000 Juden erschossen.

Vergleichen wir diese Angaben mit der Statistik von Kranz, so erkennen wir, daß letztere lediglich in einem einzigen Punkt davon abweicht: Aus den von den Düsseldorfer Richtern behaupteten „mindestens 140.000“ nichtjüdischen Opfern des Lagers werden bei Kranz 19.000, eine Zahl, die nur geringfügig übertrieben sein dürfte. Seine restlichen Schlußfolgerungen entsprechen denjenigen des Düsseldorfer Gerichts: 59.000 jüdische Opfer (die Differenz von 1.000 fällt nicht ins Gewicht); die Realität der Judenvergasungen (im Düsseldorfer Urteil wird keine Zahl vergaster Juden erwähnt, so daß sich jede beliebige Ziffer unter 60.000 mit diesem Urteil vereinbaren läßt); die 18.000 Erschossenen vom 3. November 1943.

Angesichts dieser Tatsachen wirkt Tomasz Kranz’ Artikel fast wie eine Auftragsarbeit, deren Ziel darin besteht, allen unnötigen Ballast (d.h. die erfundenen nichtjüdischen Opfer von Majdanek) über Bord zu werfen, bezüglich der jüdischen Opfer aber die Ergebnisse des Düsseldorfer Gerichts zu erhärten.

So empörend dies für einen gerecht denkenden Menschen auch sein mag: Tatsache ist, daß es bei der ganzen Debatte über Majdanek (ebenso wie bei jener über Auschwitz) im Grunde genommen praktisch nur um die jüdischen Toten geht und daß sich für in den Konzentrationslagern umgekommene Polen und Russen außerhalb Polens und Rußlands kaum jemand ernstlich interessiert.

Das trübe Schauspiel des Majdanek-Prozesses, der sich über sechs Jahre dahinzog und bei dem unzählige Schulklassen durch den Gerichtssaal geschleust wurden, wurde nicht inszeniert, um Deutschland und die Welt über das Leiden und Sterben polnischer oder russischer Häftlinge im Lubliner Lager aufzuklären, sondern um jedermann das grause Schicksal der Juden während des „Holocaust“ – dieses alberne Wort kam just während jener Jahre in Mode – vor Augen zu führen. Die acht in Düsseldorf zu Freiheitsstrafen zwischen lebenslänglich und drei Jahren verurteilten Angeklagten wurden durchwegs wegen angeblicher Beteiligung an Judenvergasungen bzw. an der „Aktion Erntefest“ verurteilt; keinem einzigen wurden Verbrechen an Polen oder Russen zur Last gelegt. Kranz’ Artikel, in dem er entgegen aller Evidenz an der Realität der Vergasungen sowie an der Massenerschießung vom 3. November 1943 festhält, ohne mit einem einzigen Wort auf die Gegenargumente einzugehen, fügt sich nahtlos in diese Tradition ein.

Hier mag folgender Einwand laut werden: Die 18.000 angeblichen Erschossenen der „Aktion Erntefest“ sowie die von Kranz implizit postulierten maximal 13.000 vergasten Juden machen insgesamt nur ein halbes Prozent der berühmten sechs Millionen „Holocaust-Opfer aus und sind somit zur Aufrechterhaltung der „Holocaust“-Geschichte gar nicht nötig. Warum machen die Polen unter diesen Umständen in bezug auf Majdanek nicht reinen Tisch und bemühen sich um die „ungeteilte Wahrheit“, indem sie die erfundenen jüdischen Opfer ebenso fallen lassen wie die erfundenen nichtjüdischen?

Die Antwort auf diesen Einwand lautet wie folgt: Wenn man die „Aktion Erntefest“ sowie die Judenvergasungen in Majdanek zum Mythos erklärt, räumt man hierdurch ein, daß sämtliche entsprechenden Zeugenaussagen erlogen waren und daß das Düsseldorfer Gericht ein skandalöses Fehlurteil gefällt hat. Jeder denkende Mensch müßte sich dann fragen, warum die Zeugenaussagen über Auschwitz und Treblinka eigentlich glaubwürdiger sein sollten als jene über Majdanek, und ob die bundesrepublikanischen Gerichte beim Frankfurter Auschwitz-Prozeß sowie bei den beiden Düsseldorfer Treblinka-Prozessen womöglich nicht ebenfalls skandalöse Fehlurteile gefällt haben. Solche Fragen brächten die ganze „Holocaust“-Geschichte ins Wanken. Dies ist der Grund dafür, daß an den Gaskammern von Majdanek und der „Aktion Erntefest“ nicht gerüttelt werden darf.

Tomasz Kranz gebührt Anerkennung und Dank dafür, daß er sich bezüglich der nichtjüdischen Toten des Lubliner Lagers ehrlich um die Wahrheitsfindung bemüht, eine radikale Revision der Opferzahl vorgenommen und – vom Sonderfall der auf dem Lubliner Schloß Füsilierten abgesehen – auf Übertreibungen verzichtet hat. Doch für seine Bemühungen, von der bis ins Mark verfaulten und verrotteten „Holocaust“-Geschichte zu retten, was noch zu retten ist, können wir ihm weder Dank noch Anerkennung zollen.

Juli 2007


[1] Tomasz Kranz, “Ewidencja zgonów i śmiertelność więźniów KL Lublin“, Zeszyty Majdanka 23 (2005), S. 7-53.

[2] Communique of he Polish-Soviet Extraordinary Commission for investigating the crimes committed by the Germans in the Majdanek extermination camp in Lublin, Foreign Publishing House, Moskau 1944.

[3] IMT, Band VII, S. 590.

[4] Sentenca wyroku.Specialny sąd karny w Lublinie. Archiwum Państwowego Muzeum na Majdanku, sygn. XX-1, S. 100.

[5] Zdzisław Łukaszkiewicz, :Obóz koncentracyjny i zagłady Majdanek”, in: Biuletyn Głównej Komisji Badania Zbrodni Niemieckich w Polsce, Nr. 4 (1948), S. 63-105.

[6] Józef Marskałek, Majdanek. Obóz koncentracyjny w Lublinie, Lublin 1981. Englische Fassung: Majdanek: The Concentration Camp in Lublin, Interpress, Warschau 1986.

[7] PS-1469.

[8] Czesław Rajca, “Problem liczby ofiar w obozie na Majdanku”, in: Zeszyty Majdanka  XIV, 1992, S. 129.

[9] Tadeusz Mencel (Hg.), Majdanek 1941-1944, Wydawnictwo Lubelskie, Lublin 1991, S. 455.

[10] Zofia Leszczyńska, “Transporty więźniów do obozu na Majdanku”, in:Zeszyty Majdanka IV, 1969, S. 174-232.

[11] Jürgen Graf und Carlo Mattogno, KL Majdanek. Eine historische und technische Studie, Castle Hill Publisher, Hastings 1998. Englische Fassung: Concentration Camp Majdanek. A Historical and Technical Study, Theses & Dissertation Press, Chicago 2003.

[12] NO-5194, S. 11.

[13] Tomasz Kranz, a.a.O., S. 14, 15.

[14] Bezirksgericht Düsseldorf, Urteil Hackmann u.a., XVII 1/75.

[15] Diese Zahl wird bei Kranz nirgends explizit genannt ; wir erhalten sie, indem wir die von ihm postulierte jüdische Opferzahl für 1941/1942 von seiner Gesamtzahl von 59.000 jüdischen Opfern abziehen.

[16] Tomasz Kranz, «Exterminacja Żydów na Majdanku i rola obozu w realizacji ‘Akcji Reinhardt’», Zeszyty Majdanka, XXII (2003), S. 7-55.

[17] Peter Witte und Stephen Tyas, “A New Document on the Deportation and Murder of the Jews during ‘Einsatz Reinhardt’ 1942”, in: Holocaust and Genocide Studies, Nr. 3, Winter 2001, S. 469 ff.

[18] Siehe hierzu Jürgen Graf und Carlo Mattogno, Das Konzentrationslager Stutthof und seine Funktion in der nationalsozialistischen Judenpolitik, Castle Hill Publishers, Hastings 1999.

[19] Siehe hierzu Carlo Mattogno und Jürgen Graf, Treblinka – Vernichtungslager oder Durchgangslager?, Castle Hill Publishers, Hastings 2003, sowie Carlo Mattogno, Belzec, Castle Hill Publishers, Hastings 2005.


Als PDF herunterladen!


Nach Oben